Zum 100 Geburtstag von Herbert Wehner
Die SPD Oldenburg - Weser-Ems lädt anlässlich des 100 Geburtstages von Herbert Wehner zu einer Lesung der neuen Biographie über Wehner ein.
Herbert Wehner: Ein Leben für ein freies, demokratisches Deutschland

Die SPD Oldenburg - Weser-Ems lädt anlässlich des 100 Geburtstages von Herbert Wehner zu einer Lesung der neuen Biographie über Wehner ein.
Der Autor, Dr. Christoph Meyer liest am 20. Juli 2006 um 20.00 Uhr im Lokal Klöter, Herbart 6, 26122 Oldenburg aus seinem Buch.
Als eine der großen politischen Gestalten der alten Bundesrepublik hat der ehemalige SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Hans-Jochen Vogel Herbert Wehner gewürdigt. Wenige Tage vor dem 100.Geburtstag Wehners betonte Vogel in einer Festveranstaltung der SPD, sein direkter Amtsvorgänger sei mit Leib und Seele Parlamentarier gewesen, und er war es mit Leidenschaft.
Herbert Wehner, der Mann mit dem kantigen Kopf und der Pfeife im Mund, wäre in diesem Jahr am 11. Juli 100 Jahre alt geworden. Gemeinsam mit der Bundestagsfraktion hat die SPD am Donnerstag in einer Feierstunde dem Geburtstag des Onkels, wie die Partei ihren langjährigen Fraktionsvorsitzenden (1969-1983) und stellv. Parteivorsitzenden (1958-1973) ebenso respekt- wie liebevoll nennt, gedacht.
In seiner Rede erinnerte Hans-Jochen Vogel an die politischen Lebensphasen des nach Willy Brandt wohl bekanntesten Sozialdemokraten. Herbert Wehner habe die politischen, ideologischen wie menschlichen Wege und Irrwege des 20. Jahrhunderts miterlebt und miterlitten und dabei auch Fehler begangen. So erinnerte Vogel an dessen Faszination für den frühen Kommunismus, den Kampf gegen den Nationalsozialismus vor und nach der Machtübernahme, das Exil in Moskau zur Zeit der brutalen Stalinschen Säuberungen, den Bruch mit dem Kommunismus und schließlich den unermüdlichen Einsatz für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden des SPD-Politikers.
Der Sohn aus einer verarmten Arbeiterfamilie war schon als Jugendlicher hochpolitisch, ein Idealist, der unter den Ungerechtigkeiten der Zeit litt. Zunächst fand er seine politische Heimat bei den Kommunisten, schließlich wandelte er sich zum überzeugten Demokraten. Beeindruckt durch Kurt Schumacher trat Wehner 1946 der SPD bei und engagierte sich seitdem sein ganzes Leben mit aller Kraft für die deutsche Sozialdemokratie. In den drei Jahrzehnten seines politischen Wirkens habe er vor allem ein Ziel vor Augen gehabt, so Vogel: Er wollte ein neues demokratisches und freiheitliches Deutschland, in dem eine gerechte soziale Ordnung allen die gleiche Chance für ein sinnvolles Leben und eine volle Teilhabe an den Früchten der gemeinsamen Anstrengung bieten sollte.
Mit einer Aufsehen erregenden Rede im Bundestag vom Juni 1960 befreite Herbert Wehner die SPD aus ihrer außenpolitischen Isolation. Damals bekannte er sich im Namen der SPD zur Westbindung der Bundesrepublik und veränderte damit die außenpolitischen Grundsätze der SPD entscheidend. Er beendete seine Rede mit dem inzwischen schon historischen Schlusssatz: Innenpolitische Gegnerschaft belebt die Demokratie. Aber ein Feindverhältnis, wie es von manchen gesucht und angestrebt wird, tötet schließlich die Demokratie, so harmlos das auch anfangen mag. " Auch so habe Wehner das konservative Vorurteil, die älteste deutsche Partei tauge allenfalls zur Opposition, endgültig widerlegt.
Wehner arbeitete kühl und klug an der ideologischen Veränderung der SPD zu einer links-bürgerlichen Partei, um sie - zunächst in der großen Koalition mit der CDU (1966-1969) und dann in der sozialliberalen Koalition unter den Kanzlern Willy Brandt (1969-1974) und Helmut Schmidt (1974-1982) - regierungsfähig zu machen. Wehners mit unerschütterlicher Beharrlichkeit verfolgtes Anliegen, der deutschen Sozialdemokratie den Weg in die Regierungsverantwortung zu bahnen, sei ein entscheidender Beitrag zur deutschen Nachkriegsgeschichte gewesen, betonte Vogel.
Dem Menschen Herbert Wehner hätte sein Engagement und seine Liebe stets seinem Volk gegolten. Dafür habe er seine Kräfte in all den Jahrzehnten des politischen Wirkens bis an die äußersten Grenzen beansprucht. Vogel erinnerte an den Meister des Wortes und lobte, bei Wehner sei alles, was ihn selbst betraf, bis zur Kargheit einfach und auf wohltuende Weise altmodisch gewesen.
Schwer und lange an der Alzheimerschen Krankheit leidend, starb Wehner am 19. Januar 1990. Geradezu tragisch erscheint mir, dass er die deutsche Einigung, für die er so nachdrücklich eingetreten ist, nicht mehr erleben konnte, bedauerte Hans-Jochen Vogel. Wehner habe den Fall der Mauer, das Ziel, auf das er während all der Jahrzehnte in der Politik hingearbeitet hatte, nicht mehr bewusst erlebt.
Was würde Herbert Wehner uns Heutigen sagen? Hans-Jochen Vogel ist sich ziemlich sicher, dass er unter anderem zu einem entschiedenen Kampf gegen das Wiederaufleben von nationalsozialistischen Ideen und Parolen, von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit eintreten würde. Ja: Das nie Wieder! Nicht noch einmal! ist wohl sein aktuellstes Vermächtnis. Wir wollen es beherzigen.